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Förderverein Agenda 21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt

Klausurtagung 8./9. April Agenda-21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt im Café des Welthaus Aachen

5-Jahres-Plan, 5. Säule der A21: Wirtschaft stärker einbeziehen, Selbstkritischer Blick zurück, Grundlagenschaffung für anstehende Delegationsreise

 

Teilnehmende: Veronika Stützel (RWTH), Gabriele Schütz-Lembach (Stadt Aachen), Michaela Frank (Künstlerin), Birgitta Hollmann, Dr. Frohlinde Weber, Mona Pursey, Anne Prohlingheuer-Griese, Dagmar Polis, Josefine Ebel, Grit Rüschel, Uta Göbel-Groß (Künstlerin), Merete Menze (DPWV), Elke Ostenda (Sparkasse), Christiane Dickmann (selbständig), Hedwig Stroms (BeWo),, Sabine Ehlers, Norbert Kuntz, Sabine Schönerg-Ehlen, Anne Prolingheuer-Griese, Grit Rüchel, Peter Blum (alle FöV), Nika Stützel, Gabriele Schütz-Lembach Uta Göbel-Groß Norbert Kuntz (Stadtoasen), Josefine Ebel (GIZ)

Referentin: Ulrike Devers-Kanoglu


FREITAG, 8.4.2011 - Blick zurück -

Frau Devers-Kanoglu erinnert mit einem umfassenden "Blick zurück" an Kernpunkt zu Beginn der Partnerschaft: Die Partnerschaft besteht seit 1999, unterstützt durch ein MoU seit 2000. Im Januar 2000 fand ein Visionswochenende der Aktiven statt, an dem die Vorstellungen, Visionen und mögliche Ziele der Partnerschaft erarbeitet wurden. Ein Teilnehmer aus Kapstadt konnte an diesem Workshop auch teilnehmen. Die damals gesetzten Visionen/Ziele wurden noch einmal betrachtet und das überraschende Ergebnis war, dass alle Visionen der ökologischen Gruppe bis heute umgesetzt worden und weiterhin lebendig sind!

 

 

Blick nach vorn:

  • Die in der Agenda 21 verankerte Säule der "Wirtschaft" ist in der Partnerschaft unterrepräsentiert. Insofern sollen für die Strategien verfolgt werden, Wirtschaftsvertreter anzusprechen.
    Eine gute Chance bietet die Zusage und das damit verbundene Interesse des OB, der die Herbst-Delegationsreise für einige Tage begleiten will. Dieses hilft der Partnerschaft, noch besser auf z.B. IHK o.ä. zugehen zu können.
  • Während des Workshops werden erste Strategien zur Einbeziehung der Wirtschaft erarbeitet
    • Erneute Ansprache IHK!!
    • Kontaktaufnahme zur Agit (Frau Kienzle)
    • Kontaktaufnahme zu interessierten Wirtschaftsvertretern in Aachen
    • Öffnen der Koordinationstreffen für Interessierte der Aachener Wirtschaft
  • Für die geplante Delegationsreise im Oktober 2011 muss in Bezug auf das Memorandum of Agreement Vorarbeit geleistet werden.
  • Lt. Osman Asmal (Dezernent aus Kapstadt) wurde im letzten Jahr im Rahmen eines Vergleiches der bestehenden internationalen Kapstädter Partnerschaften die Partnerschaft mit Aachen besonders vorbildhaft erwähnt, weil Arbeitsfelder und Ziele konkret benannt werden.
  • Fazit nach umfassender Diskussion: Wir sehen derzeit keinen strukturellen Änderungsbedarf zum MoA, höchstens redaktionelle Anpassungen.
  • Sammlung der Vorschläge per Mail!

 

Blick auf unsere Motivation:
WARUM Machen wir die Partnerschafts-Arbeit überhaupt???

Frau Devers-Kanoglu untersuchte in ihrer Dissertationsarbeit u.a. die Motivation der Aktiven der Partnerschaft in Kapstadt und Aachen. Die Ergebnisse konnten für diesen Arbeitsabschnitt genutzt werden:
Neben vielen persönlichen altruistischen Beweggründen finden sich hier Angaben zu Verbesserung der Kompetenzen (Sprache, Kooperationsfähigkeit, interkulturelles Lernen, Improvisationstalent, berufliches Fortkommen etc.…) und die Freude an Begegnung und Erweiterung des Horizontes. Starke Aspekte weiterhin: die Anwendung beruflicher Fähigkeiten auf soziale Felder, der Spaß an entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, das Finden und Erleben von Freundschaft über viele Grenzen hinweg.


SAMSTAG, 9.4.2011:

Die Referentin Ulrike Devers-Kanoglu (UDK) stellte Teile ihrer Dissertation vor. Ihre Befunde zu "Informellem Lernen" wurden in Thesen dargestellt, deren Diskussion hier nur ansatzweise wiedergegeben werden kann. Dargestellt werden daher hauptsächlich die Schlussfolgerungen und eine to-do-Liste.

1. Teil "Voneinander Lernen" (im Text als VL)
Das "Voneinander Lernen" nennt UDK provokativ "the battlefield". Innerhalb von Spannungsfeldern werden Dinge ausgetragen, die nicht klar benannt sind. Dies liegt u.a. daran, dass alle Kontakte von unbewussten Bildern und Strukturen beeinflusst sind. Urteile, Vorurteile, Bilder, Individualitäten, ... , Prägungen, Erfahrungen, Gesellschafts- und Persönlichkeits-Strukturen sind tief verinnerlicht. Wir haben keinen Einfluss darauf, oft sind sie nicht bewusst. Sie beeinflussen aber unsere Handlungen, unser Verhalten, und eben auch das Lernen oder Nicht-Lernen. Eine generelle Ursache sind auch interkulturelle Konflikte im Untergrund (400 Jahre Kolonisation, 40 Jahre Apartheid)- nicht unsere Unfähigkeiten sind alleine "schuld an den Konflikten" wir ‚stehen' auch immer ‚für etwas' (im Norden wie im Süden).

Bestimmte Begriffe werden wegen dieser Problematik vermieden oder wirken wie "rote Tücher": Hilfe, Belehrung, Bevormundung.
Erkenntnisse:

  1. Es geht bei vielen Konflikten nicht um "Lernen", das Lernen gerät zu Unrecht in die Schusslinie!
  2. Lernen ist in den Projekten nicht direkt benannt und implementiert - z.B. durch eine Zeitschiene!
  3. Der Anspruch des VL muss hinterfragt werden - er ist teilweise "gewollt", weil insbesondere der Norden glaubt, diesem Anspruch gerecht werden zu müssen. Dabei wird er jedoch nicht immer gefüllt. Ein "verkrampftes VL" trägt nicht positiv zum Fortkommen in der Partnerschaft bei
  4. Ehrlichkeit sollte statt dessen eingebracht werden. Dieses bedeutet auch, dazu zu stehen, dass VL nicht immer sinnvoll ist. Statt dessen besser "Miteinander lernen"

 

2. Teil: Kooperation

Unsere Beobachtung, unser Reiz ‚alles ist dort so anders' ist mit einem wissenschaftlichen Blick und neutral: eine Differenz und unter dem besonderen Aspekt von Lernen und Zusammenarbeit eine sogenannte "lernförderliche Bereicherung".
Die sichtbaren Werte der Kooperation bei ‚Grenz-Überschreitungen':
Das Kennenlernen des 'Fremden' führt zur Überprüfung des ‚Eigenen'. Jenseits der organisatorischen oder politischen "Heimat" eines Individuums gibt es ein Wertegerüst = ein Menschenbild, das Zusammenarbeit ermöglicht und fruchtbar macht. Dies ist immanent klar, wird aber nicht immer verbalisiert.
Diese Grenzüberschreitungen finden statt zwischen den Städten, den Teilen der Verwaltung, den NGO's, dem privaten Sektor, dem Wissenschafts- und dem Bildungssektor und anderen Akteuren.

Diese diversen Grenzüberschreitungen stellen eine immense Bereicherung dar, bezogen auf Partizipation, praktische Kommunalpolitik, inter- und intrakommunale Kooperationen, Lernprozesse (in Individuen und Organisationen).

In diesem Sinne stellt die Partnerschaftsarbeit ein sehr gelungenes Beispiel für Bildung für Nachhaltige Entwicklung und für Politische Bildung dar.

Öffnung nach Außen:
Wichtig ist nach wie vor die Einbeziehung neuer Interessenten und besonders der Wirtschaft. Hierbei müssen wir bedenken, dass wir einen starken ‚ingroup'-Effekt haben ("wir" vs. "die Anderen").
Es gilt, die Outgroup = "die Anderen als Bereicherung zu sehen, sie einzubinden und alle(!) Kontakte zu nutzen. Hier müssen wir bestehende Kontakte weiterverfolgen
(AGIT und Fa. AIXIGO: Kontaktpflege ist wichtig) und neue knüpfen (z.B. Golfturnier, IHK, OB-Büro; s. to-do-Liste)

 

to-do-Liste im Rahmen der Vorbereitung der Delegation:

  • gemeinsamen Mehrjahresplan (5 Jahre) erstellen
  • die Vorteile und Lernerfahrungen zusammenfassen und als Potential nutzen
  • ein ‚mission statement' für die Wirtschaft formulieren
  • IHK und OB-Kontakte ausbauen (P.B. nimmt Termin mit IHK wahr)
  • Termin mit Fa. Aixigo vereinbaren, Teilnahme an Delegationsreise anbieten
  • Stärker ALLE politischen Richtungen (alle Parteien, insbesondere in Kapstadt) einbinden
  • EU-"Projekt" Förderrichtlinien (N.K.fragt nach)
  • ASA-Spielhaus-Projekt: ASA-Förderung erneut? Sonst alternativ für social resposibility-Firmen?

 

Gleichen Workshop im Süden ermöglichen:
UDK wird CT das Angebot machen, ihre Ergebnisse in CT in einem Workshop vorzustellen. Finanzierungshilfe evtl. über Misereor.

Im Feedback-Gespräch über die Klausurtagung vermitteln alle Teilnehmenden, dass die Klausurtagung in dieser Form nur mit der finanziellen Unterstützung für die Beteiligten trotz der Einbindung des Wochenendes stressfrei gestaltet werden konnte (Catering statt Essen organisieren/mitbringen).
Gleiches gilt für das Erzielen der Resultate: die Finanzierung einer professionellen Moderation (Frau Devers-Kanoglu) führte zu guten Ergebnissen, aus denen nachhaltig Handlungen erwachsen.

Die Agenda21- Partnerschaft Aachen Kapstadt wird dieses in ihrer Öffentlichkeitsarbeit gerne darstellen.

 

Nachtrag:

  • ein 1. Treffen mit Fa. Aixigo fand bereits erfolgreich statt. Die Firma ist an einer Zusammenarbeit mit der Partnerschaft interessiert. Gemeinsame Interessen wurden besprochen
  • Antrag zur Finanzierung eines gleichen Workshops wurde bei Misereor gestellt.

 

Josefine Ebel josefine.ebel@giz.de
Gabriele Schütz-Lembach, Umweltamt der Stadt Aachen gsl@mail.aachen.de

www.aachen-kapstadt.de


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