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27.10.2011 | Gemeinsame Veranstaltung von der IHK Frankfurt, der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V., der Innovationsvereinigung für die Deutsche Wirtschaft, dem Wirtschaftskreis Hessen/Rheinland-Pfalz der CDG und dem Regionalen Zentrum Hessen/Rheinland-Pfalz der GIZ

Symposium Innovationen und Nachhaltigkeit – „Wer ist Motor, wer ist Karren?“

Diese Frage stellten sich rund 120 Teilnehmer beim Symposium „Verantwortlich, nachhaltig und innovativ – Erfolgsfaktoren für die Zukunft“, das am 27. Oktober in der IHK Frankfurt stattfand und gemeinsam von der IHK Frankfurt, der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V., der Innovationsvereinigung für die Deutsche Wirtschaft, dem Wirtschaftskreis Hessen/Rheinland-Pfalz der CDG und dem Regionalen Zentrum Hessen/Rheinland-Pfalz der GIZ veranstaltet wurde.

Im Fokus stand dabei, wie CSR aus unternehmerischer Perspektive Wegbereiter für innovative Produkte und Dienstleistungen sein kann und gleichzeitig auch eine Strategie zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist.

Die CSR-Landschaft in Deutschland ist sehr vielfältig und CSR hat sich von einer „reaktiven zu einer aktiven Tätigkeit“ entwickelt, wie Dr. Jürgen Janssen vom Deutschen Global Compact Netzwerk (DGCN) berichtete. Während es früher in den PR-Abteilungen angesiedelt war, wird Nachhaltigkeit heute als strategisches Unternehmensziel und Chance betrachtet. Innovation und Nachhaltigkeit sind das diesjährige Schwerpunktthema des DGCN und Janssen konnte erste Ergebnisse der Workshops mit den rund 170 Mitgliedsunternehmen skizzieren. Auch wenn die Frage schwer zu beantworten sei, „wer ist Motor, wer ist Karren“ – Innovationen sind der Motor und treiben Unternehmen zu Nachhaltigkeit, so das Fazit der Workshops. Heute stelle sich „nicht mehr die Frage ob, sondern wie schnell und auf welchem Weg“ Nachhaltigkeit erreicht wird.

Diese Ansicht teilte auch Dr. David Kossen von der Accenture Stiftung. Der demographische Wandel hat das Thema CSR für Accenture zu einem wichtigen Instrument zur Bindung junger Talente gemacht. Zwar sei Corporate Citizenship für Accenture von Anfang an von großer Bedeutung gewesen, doch beim „Kampf um Talente“ im Recruiting Prozess spiele die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens eine enorme Rolle, wie sich in Studien von Accenture gezeigt hat. Denn „je talentierter, desto kritischer“ seien potentielle Mitarbeiter. CSR erhöhe die Arbeitgeberattraktivität, trage zur Mitarbeiterzufriedenheit und zur Reduzierung der Fluktuation bei. Aber auch Teambuilding, nachhaltiges Lernen und Führungskräfteentwicklung sind Effekte von CSR-Aktivitäten bei Accenture, wie etwa Bewerbungstrainings für Hauptschüler aus dem Frankfurter Gallusviertel oder die Mitarbeit in einer Obdachlosenküche. „Viele Berater kennen nicht mehr die Wirklichkeit des größten Teils der Menschheit“, erklärte Kossen. HR-Ziele können mit coporate volunteering eher als mit Spenden verfolgt werden. Auch der Einsatz in Entwicklungsländern über mehrere Monate mit dem VSO nütze der persönlichen Entwicklung der Mitarbeiter und fördere ihre sozialen Kompetenzen, die dann dem Arbeitgeber zu gute kommen. Darüberhinaus ist Nachhaltigkeit bei Accenture mittlerweile die Grundlage für viele Geschäfte, und gute Beziehungen zur Nachbarschaft und Gesellschaft sind „wichtig um den Puls der Zeit mitzubekommen“ und erübrigen extra PR-Aktionen.

Elektromobilität als Markt der Zukunft und Beispiel für nachhaltiges Innovationsmanagement präsentierte Wolfgang Sczygiol, Bereichsleiter Automotive der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GbmH aus Fürstenfeldbruck. Der Wandel in der Automobilbranche hat neue Koalitionen zwischen Autoindustrie und Zulieferern zur Förderung von Elektromobilität hervorgebracht. Doch technologische Innovationen sind ohne innovative Mitarbeiter nicht möglich, „das Personal ist die wichtigste Ressource“ für ein Unternehmen, so Sczygiol. Bei ESG können Mitarbeiter unbürokratisch finanzielle Unterstützung beantragen, um Innovationsideen auszuprobieren. Bei den Mitarbeiter scheint die Strategie anzukommen, denn die Fluktuation bei ESG ist gering, wie Sczygiol berichtete, und „die richtigen Themen, ziehen auch neue Mitarbeiter“ an.
Wie Nachhaltigkeit in der Finanzbranche umgesetzt wird und dort auch neue Produkte her vorbringt, stellte Dr. Ottmar Kayser, Deputy Head Group Sustainability der Deutschen Bank vor. „Heute an morgen denken“ ist der Ansatz der Deutschen Bank im Bereich Nachhaltigkeit und dies kann gleich gesetzt werden mit der Sicherung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Normale Geschäftsprozesse müssen mit der "Nachhaltigkeitsbrille" analysiert werden, „sie muss Teils des Business Managements werden“, so Kayser, auch um gezielt neue nachhaltige Finanzprodukte zu entwickeln. „Die Märkte verändern sich und erfordern Innovationen“. Nachhaltigkeit ist ein Wettbewerbsfähigkeitskonzept für die Bank ebenso wie für ihre Kunden, das belegt, dass man „besser gerüstet ist für die Zukunft“. Ziel der Deutschen Bank sei der klimaneutrale Betrieb der weltweiten betrieblichen Aktivitäten ab 2013, ein Innovationsbeispiel dafür sind die gerade sanierten Deutsche Bank Türme in Frankfurt.

Abschließend erläuterte Professor Herbert Birkhofer von der TU Darmstadt an praktischen Beispielen, dass nachhaltige Innovationen nur durch eine Analyse des gesamten Produktzyklus zu erreichen sind. Am Beispiel eines Epilierers wurde demonstriert, dass nur die ganzheitliche Analyse eines Produkts ökologische Schwachstellen aufzeigen kann und damit Ansatzpunkte für Innovationen sichtbar macht, die zu einer Einsparung von Ressourcen führen. In der Studie der TU Darmstadt stellte sich heraus, das weder die Produktion noch das Recyceln eines Epilierers am Ende das größte Einsparpotential hatten, sondern dass die Nutzung unter der laufenden Dusche das wirkliche Problem ist. Aufgrund dieser Analyse wurde schließlich eine neue Technik entwickelt, die die Nutzung unter der Dusche überflüssig machte. So kam Birkhofer am Ende des Symposiums zu dem Fazit „Gute Innovationen sind ganzheitliche.“

 

Martina Ebensen
Projektleiterin, Regionales Zentrum Hessen/Rheinland-Pfalz
E-Mail: martina.ebensen@giz.de



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