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21. Oktober 2014

Pralinen mit Werten – Ein Beispiel für gelebte Integrität in Unternehmen

CDG/BMZ Dialogveranstaltung „Compliance im Internationalen Geschäft“ am 21. Oktober in der IHK Frankfurt am Main

Verantwortung, Effizienz oder Ethik mit diesen in Zuckerguß auf Pralinen festgehaltenen Werten versüßt das Fraport-Tochterunternehmen in Lima seinen Mitarbeitern und Geschäftspartner das Thema Compliance, wie Clemens von Stockert, der Leiter der Abteilung Compliance und Wertemanagement bei Fraport, vor rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Wirtschaft am 21. Oktober in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main erläutert.

Die Carl Duisberg Gesellschaft e.V. und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben bei der ganztägigen Veranstaltung in Kooperation mit der IHK Frankfurt und der GIZ vor allem kleine und mittlere Unternehmen für integres Verhalten im internationalen Geschäftsleben sensibilisieren wollen. Neben Experten und Verbänden präsentierten vor allem Unternehmen, große und kleinere, wie sie in ihrem betrieblichen Alltag mit unlauteren Geschäftspraktiken umgehen. „Unterschiedliche Geschäftskulturen und Korruption sind eine Belastung für Unternehmen“,  führt der Geschäftsführer International der IHK Frankfurt und Sprecher des Wirtschaftskreises Hessen/Rheinland-Pfalz, Dr. Jürgen Ratzinger aus.

Doch Korruption behindert nicht nur seriöse Geschäfte, sondern sie ist auch wichtigstes Entwicklungshindernis in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie gefährde die Etablierung demokratischer Strukturen und habe negative Auswirkungen auf Länder und jeden Einzelnen, wie Dr. Ute Heinbuch, Leiterin des Referats Zusammenarbeit mit der Wirtschaft beim BMZ erläutert. Deshalb suche das BMZ den „Schulterschluß mit der Privatwirtschaft“.  Die Lern- und Dialogplattform „Allianz für Integrität“, die von der GIZ betreut wird und an der Privatwirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft beteiligt sind, ist ein Beispiel dafür. Ziel der Allianz ist die Förderung eines integren Verhaltens in der Lieferkette, durch peer-to-peer learning, Fortbildungen und die Pflege von Netzwerken sowie die Nutzung von Synergien.

Der Rechtsprofessor und Anwalt Dr. Christoph Graf von Bernstorff erklärt einführend, worum es von der juristischen Seite her eigentlich geht. Denn Compliance heißt „präventiv arbeiten“, d.h. man müsse vorher analysieren, was es für Risiken gibt und dann alles tun um, Schäden zu vermeiden. Dies betreffe alle Unternehmensbereiche und „Compliance kann jeden treffen in einer Organisation“. Denn haften müsse der Einzelne und nicht das Unternehmen, sei es der Geschäftsführer oder der einfache Mitarbeiter. „Es haftet immer der, der den Fehler macht“, erläutert von Bernstorff. Bei Rechtsverstößen können leicht Bußgelder in einer Höhe von € 500.000 fällig werden. Deshalb sei Compliance „aktiv betriebenes Risikomanagement“.

Die Androhung von Bußgeldern und Verfahren haben ein mittelständisches Unternehmen wie den Baustoffhersteller Fixit, aber auch einen Global Player wie Bilfinger SE dazu gebracht, Compliance-Systeme zu installieren. 2009 drohte der Fixit-Gruppe eine Strafe von € 40 mio. aufgrund von Verstößen gegen das Kartellrecht. Auch wenn das Verfahren gegen das Tochterunternehmen eingestellt wurde, hat das Unternehmen ein Compliance Management aufgebaut, das auch für alle Tochterunternehmen in 19 Ländern gilt. Dabei wurde besonders auf ein pragmatisches und kosteneffizientes Vorgehen durch die Nutzung vorhandener Strukturen geachtet. Der Baukonzern Bilfinger hat erst relativ spät, 2010, eine Compliance Kultur aufgebaut, nach dem Verstöße durch die Presse gingen. Die Compliance Beauftragte und frühere Staatsanwältin Caroline Schüler verdeutlicht die Brisanz des Themas  für den Konzern und berichtet, dass Vorfälle, die schon Jahre zurückliegen „sie jetzt wieder einholen“.

Bereits 2003 hat Fraport, die auch Mitglied im Deutschen Global Compact Netzwerk ist, ein Compliance Management System eingeführt, dass sich als „Wertemanagement zur Korruptionsprävention“ versteht. „Wertemanagement ist dabei ein Prozess der Selbstbindung eines Unternehmens an unternehmensethische Grundhaltungen“, wie von Stockert ausführt. Das Unternehmen habe sich auf sieben Grundwerte geeinigt, die auch für die Tochterunternehmen im Ausland gelten. Allerdings findet die Umsetzung kulturell spezifisch statt: So wie beim Flughafen in Lima  Pralinen ein Weg waren, veröffentlichte die Geschäftsführung in Bulgarien ein Statement in der lokalen Presse und in Antalya wurden die Grundwerte um die Werte Kundenorientierung und Ehrlichkeit ergänzt. Ziel sei es gewesen eine „gelebte Wertekultur und die Stärkung der Selbstverantwortung“ herzustellen, betont von Stockert. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die regelmäßige Schulung der Mitarbeiter und die „Verankerung in den Köpfen“. Schulungen und ein an die betrieblichen Strukturen angepaßtes System sind auch für Raphaela Salvesberg, Compliance Officer der Messer Group, die wesentlichen Erfolgsfaktoren eines Compliance Management Systems.

Meinhard Remberg, Generalbevollmächtigter der SMS Holding und Mitglied im Vorstand des Deutschen Instituts für Complaince (DICO), empfiehlt kleineren Unternehmen eine Fokussierung auf das größte Risiko und eine Etablierung auf der betrieblichen Ebene. Die SMS-Gruppe hat seit 2002 aus zwei Gründen ein Compliance System etabliert: Zur Haftungsvermeidung und um den guten Ruf zu erhalten. Denn wie Remberg ausführt „Geld läßt sich wieder ersetzen, der gute Ruf kommt so schnell nicht wieder.“ In Indien hat SMS jetzt gemeinsam mit seinen beiden Mitbewerbern Compliance Richtlinien entwickelt, die dazu geführt haben, dass die indischen Kunden die drei Unternehmen nicht mehr gegeneinander ausspielen können. 

Ein Code of Conduct kann auch ein „Verkaufsargument“ sein und den Vertrieb unterstützen, wie Henrik Weller vom Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik berichtet. Der BME hat einen Code of Conduct entwickelt, der Einkäufern eine Orientierung gibt. Auch der VDMA bietet seinen Mitgliedern im Rahmen eines Arbeitskreises Unterstützung und Beratung durch erfahrene Chief Compliance Officers anderer Unternehmen an. In Rußland hat die Außenhandelskammer eine Initiative gegründet, der mittlerweile 107 Unternehmen angehören. Denn „wer in Rußland aktiv sein will, muss sich mit Korruption auseinandersetzen“ weiß Jens Böhlmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der AHK in Moskau.  Das Problem in Rußland ist, dass der „Zulieferer gar nicht begreift, was der Einkäufer will“, da viele Regelwerke zu theoretisch sind. Doch viele Mitglieder der Initiative in Rußland haben jetzt die Erfahrung gemacht, dass sie „von unlauteren Angeboten verschont bleiben“ und auch immer mehr russische Unternehmen treten bei. Nicht zuletzt seien viele russische Mitarbeiter froh darüber, „dass Regeln, die gelten, immer gelten“ und es „keine Nachverhandlungen“ gäbe.

Martina Ebensen, Landesbüro Hessen

 

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