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9. April 2014

Kooperation GIZ/CDG: „Internationale Zuwanderungsstrategie Frankfurt RheinMain muß entwickelt werden“

Was müssen wir tun, damit die Region FrankfurtRheinMain auch noch 2030 ein Hotspot ist? Diese Frage beschäftigte am 9. April mehr als 550 Akteure aus der Wirtschaft, von Kommunen und Hochschulen, die sich in der IHK Frankfurt über die Bedeutung des demografischen Wandels für die Region und ihre Unternehmen austauschten. Bereits zum vierten Mal fand der Kongress statt, der vom Demografienetzwerk FrankfurtRheinMain ausgerichtet wird und an dem sich die Carl Duisberg Gesellschaft e.V. in Kooperation mit der GIZ erstmals beteiligte. Mitarbeiterinnen des Landesbüros Hessen der GIZ informierten mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten über die Aktivitäten der GIZ und CDG in den Bereichen Fachkräftemigration und internationaler Austausch und die FGE Migration gestaltete gemeinsam mit dem Regionalverband Frankfurt RheinMain das Europa-Forum.

 

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Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability, stellte die Ergebnisse der von der Robert Bosch Stiftung einberufenen Kommission „Die Zukunft der Arbeitswelt“ vor. Demnach wird für 2030 ein Mangel an Arbeits- und v.a. Fachkräften von rund 6,5 Millionen prognostiziert – wenn keine weiteren Potenziale gehoben werden. Neben berechenbaren Größen wie die Investition in Aus- und Weiterbildung, die Verlängerung der Arbeitszeit sowie Produktivitätssteigerung nannte Prof. Rump Zuwanderung als einzige unbekannte Variable. Bei den anschließenden Bistrotalks waren sich die Vertreter/innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einig: Frankfurt werde aufgrund seiner Attraktivität als Wirtschaftsstandort und seines Rufs als internationale Stadt auch in Zukunft weniger demografische Probleme als andere deutsche Großstädte haben. Dennoch stehe Frankfurt zunehmend mit anderen europäischen Metropolregionen im Wettbewerb um internationale Fachkräfte.

Zuwanderungspolitik und Willkommenskultur als zentrale Faktoren dieses Wettbewerbs standen im Forum „Europa“ im Vordergrund, das Susanna Caliendo vom Regionalverband FrankfurtRheinMain zusammen mit Peter Bonin, Leiter des Sektorvorhabens „Migration und Entwicklung“ der GIZ, moderierte. Dem Fachkräftereport der IHK Frankfurt zufolge wünschen sich etwa ein Viertel der befragten Unternehmen eine erleichterte Beschäftigung ausländischer Fachkräfte. Die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen wurden in der Talkrunde von Unternehmer/innen und internationalen Fachkräften thematisiert. Auf Peter Bonins Frage, wer Angst vor dem Fachkräftemangel habe, antwortete Rolf Keil, Referatsleiter im hessischen Sozialministerium, man sei „in Gesundheitsberufen schon längst beim Zähneklappern angekommen“. So weit kam es im Frankfurter Krankenhaus Nordwest nicht: Pflegedirektorin Margarete Post konnte über das Projekt Triple Win, das die GIZ in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit durchführt, qualifizierte Pflegekräfte aus Bosnien, Serbien und den Philippinen gewinnen. Neben der Vertiefung der bereits vorhandenen Deutschkenntnisse hob Margarete Post die Bedeutung der sozialen Integration hervor, zu der u.a. die Abholung vom Flughafen oder der gemeinsame Survival-Einkauf gehöre. Diese Aktivitäten wurden  durch das persönliche Engagement von Mitarbeiter/innen angestoßen, die eine interne Patengruppe gebildet haben und mit den internationalen Kolleginnen und Kollegen regelmäßig Freizeitaktivitäten unternehmen. Triple Win Projektkoordinator Björn Gruber vom Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) erklärte, dass für die langfristige Bindung internationaler Fachkräfte eine hohe Investition nötig sei, die im Zusammenspiel von Gesellschaft und Betrieb getätigt werden müsse. Auch andere Unternehmer berichteten, wie sie erfolgreich internationale Fachkräfte anwerben und integrieren. Aber ebenso wie beim Krankenhaus Nordwest ist auch für sie ein großes Engagement weit über den Arbeitsalltag hinaus erforderlich, um erfolgreich zu sein.

Mit dem Kongress fiel auch der Startschuß für ein Projekt des Europabüros, das Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft zusammenbringen möchte, um sich auf eine qualifizierte Zuwanderungs- und Anwerbestrategie für die Region zu verständigen. An diesem Prozeß will sich auch das Landesbüro Hessen der GIZ in Kooperation mit der FGE Migration beteiligen und ihre internationalen Erfahrungen einbringen. Wie der Direktor des Regionalverbands Frankfurt RheinMain, Ludger Stüve, betonte: „Um den Fachkräftebedarf in der Region decken zu können und im globalen Wettbewerb zu bestehen, sind wir zunehmend auf Verstärkung aus dem Ausland angewiesen. Hier brauchen wir Methoden, die nicht nur punktuell ansetzen, sprich eine regionale Zuwanderungsstrategie. Wir müssen sicherstellen, dass Menschen hier gut ankommen – und auch bleiben.“

Mareike Krebs/Martina Ebensen, Landesbüro Hessen

Weitere Informationen:
www.demografienetzwerk-frm.de

http://www.demografienetzwerk-frm.de/presse/mediathek/videos/
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